Geht's ein bisschen entschiedener, Frau Radisch?

08.10.2009

„Breites und ernst zu nehmendes Wohlgefallen“ einerseits – und der Einwurf, es würde das „meiste zu deutlich literarisch gesenkten Preisen angeboten“. Schließlich das Aber: „Doch ist dieser literatische Kurssturz schon Teil der versöhnlich, verschmitzten Lethargie, die man auch an den lebenspragmatischen, halb vertrauerten Figuren des Romanes bewundert.“

O weh, man sieht sie förmlich beim Schreiben der Rezension vor sich, die Frau Radisch. Sorgenzerfurcht, kritisch, halb vertrauert – und dann wieder Thome in die Nähe von Martin Walser rückend, am Bleistift kauend, bestürzt über den „einfühlsamen Frauenversteher“ Stephan Thome seiend. Liebe ich ihn, diesen Roman, liebe ich ihn nicht? Finde ich, dass ihm „ein unsterbliches Verdienst zukommt“, nämlich der, „die Gefühlsbetäubung bundesdeutscher Wohlstandsprofiteure ohne jede Überheblichkeit deutlich zu machen“ oder bin ich beleidigt, dass mir ein Roman, der mich mitten ins Herz trifft, „mehrheitsfähig“ ist – wo ich doch gar nicht der Mehrheit angehören will?

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Frau Radisch sich mit dieser Rezension für/gegen diesen Roman alle Türen offen hält. Sie, die Jurorin für den Deutschen Buchpreis, will am kommenden Sonntag, dem Tag der Entscheidung, in jede Richtung argumentieren können. Buchpreisarithmetik eben. Die Spannung steigt. Kommenden Montag ist Urteilsverkündung.

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